Donnerstag, 4. Mai

Es ist nicht ganz einfach, Gjirokastër zu Fuss zu verlassen, jedenfalls, wenn man über die Hauptstrasse im Nordosten der Stadt will. Und noch dazu mit einem grossen, schweren Rucksack. Da stehen reihenweise Taxi-, Bus- und Furgonfahrer, die dich unbedingt irgendwohin bringen wollen. Und dazu noch einige Privatchaffeure, die das selbe tun wollen.

Wir schaffen es, sämtliche Hilfsangebote abzuwehren und machen uns auf den bereits bekannten Weg nach Arshi Lengo. Und weiter Richtung Berge.

Nachdem wir letzte Woche mit unserem Vorhaben, zu zelten, wegen Schafen und Hunden kläglich gescheitert sind, haben wir unsere zfuess-Vorbilder Caro und Jasi um Rat gefragt. Sie haben uns versichert, dass die Tiere in der Nacht nie unterwegs seien und wir also auch mitten auf einer Schafweide ungestört zelten könnten, wenn wir am Abend nur lange genug warteten.

Das motiviert uns, es nochmals zu versuchen Heute wird gezeltet!

Seit wir die Küste verlassen haben, haben wir keinen einzigen Bunker mehr gesehen. Wir glaubten schon, jene im Landesinneren seien alle eliminiert worden. Jetzt aber entdecken wir sie reihenweise entlang der Strasse. Zum Teil sind sie fast völlig von Brombeergestrüpp überwachsen, zum Teil scheinen sie noch für irgend etwas gebraucht zu werden.

Einer der grossen macht sogar einen bewohnten Eindruck.

Natürlich kommen wir auch heute an Schaf- und Ziegenherden vorbei. Mit einem alten Schafhirten plaudern wir ein wenig – er auf Albanisch, wir mit dem wenigen Albanisch, das wir inzwischen können, und abgesehen davon mit Händen und Füssen.. Er erzählt, er sei Pensionista, 70 Jahre alt. Und er würde uns gern zu einem Kaffee einladen, aber er wohne da drüben, und seine Schafe seien jetzt hier.

Wir erklären ihm, dass wir nach Permet wollen. Wo wir denn unser Auto hätten, will er wissen.

Als er hört, dass wir zu Fuss gehen, macht er grosse Augen. Zu Fuss? Über die verschneiten Berge? „Katër ditë“ dauere das – vier Tage!

Katër ditë. Er sagt es immer wieder. Und schaut uns an, als hätten wir den Verstand verloren.

Ein lustiger Mann. Und eine lustige Unterhaltung. Ich hätte ihn gerne fotografiert, aber ich habe da grosse Hemmungen. Ich mag es selbst auch nicht, fotografiert zu werden, schon gar nicht von wildfremden Leuten. Aber immerhin, hier sind seine Schafe

später gilt es wieder einmal, einen Fluss zu überqueren. Inzwischen ist uns bewusst, dass nicht alles, was auf der Karte als Brücke eingezeichnet ist, auch wirklich eine Brücke ist, Es kann auch eine untiefe Stelle sein, die bei Niedrigwasser mit einem geeigneten Auto durchfahren werden kann.

An so einer Stelle stehen wir heute wieder. Wir kennen es ja schon, Socken und Schuhe ausziehen, durchwaten und hoffen, dass der Fluss nirgends zu tief ist. Während wir rüberwaten, kommt uns ein Hund entgegen. Es ist ein bisschen, als ob er uns zeigen wollte, dass er das auch kann. Er durchquert den Fluss, immer darauf bedacht, dass wir ihm zuschauen, und kommt dann wieder zurück.

Und, gerade als wir uns fragen, ob der Wasserstand im Moment zu hoch ist für ein Auto, kommt eins. Und zeigt uns, dass es sehr wohl geht.

Weiter gehts, dem Fluss entlang, wo an seichten Stellen die Frösche einen Höllenlärm machen, dann einer Staumauer entlang, wo der See bei totaler Windstille ein perfektes Spiegel-Bild bietet

zehn Minuten später kommt ein ganz leichter Wind auf – fertig Spiegelbild

schliesslich kommen wir an die Stelle, die wir auf der Karte als unseren Übernachtungsplatz vorgesehen haben, natürlich ohne zu wissen, wie es da in der Realität aussieht.

Wir haben Glück: Die Stelle am Fluss entpuppt sich als idealer Zeltplatz!

Von admin

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